Orákulum: Apokalypse 2020

Orákulum – Apokalypse 2020

Apokalytische Vorstellungen beschwören eine katastrophale Zukunft herauf. Wir kennen sie aus der Bibel als die apokalyptischen Reiter, das Buch mit sieben Siegeln, der Tag des Jüngsten Gerichts oder Harmagedon. Die Corona-Krise bringt uns seit Wochen täglich apokalyptische Bilder, die Angst und Ohnmachtsgefühle verbreiten. Die apokalyptische Zukunftsvision nimmt Trends der Gegenwart auf und verlängert sie bis an ihr katastrophale Ende. Sie legt den Blick auf eine fürchterliche Zukunft frei. Insbesondere für Menschen, die an den gegenwärtigen Machtverhältnissen, ihrer eigenen Macht, den vorherrschenden gesellschaftlichen Strukturen hängen. Apokalyptisches Denken kann uns aber auch zu existentiellen Fragen führen: Was ist wichtig? Wofür möchte ich leben? Wofür bin ich bereit, meine gegenwärtige Lebensform sterben zu lassen? Mit Blick auf Corona versuchen die Gesellschaften gerade wieder die Vor-Corona-Normalität herzustellen. Die apokalyptischen Bilder weichen den Bildern funktionierender Gesellschaften. Was bleibt wohl von der Störung? Was konnten wir durch diese apokalyptische Phase kurzzeitig an feindlichen Mächten erkennen? Wie helfen uns apokalyptische Visionen unsere Gegenwart liebevoller, solidarischer und sinnvoller zu gestalten?

Prof. Dr. Dr. Oliver Reis ist Professor für Religionspädagogik unter besonderer Berücksichtigung von Inklusion an der Universität Paderborn. Er studierte Mathematik, Theologie und Philosophie auf Lehramt und behandelte in seiner ersten Dissertation 2003 das Thema Nachhaltigkeit aus theologischer Perspektive. In seiner zweiten Dissertation, die er 2013 abschloss, interessierte ihn die Frage nach einer kompetenzorientierten Religionslehrer*innenausbildung. Seelische Themen betrachtet er vorwiegend aus soziologischer Sicht, womit er unter anderem an die Denktradition von N. Luhmann, R.D. Laing und anderen anknüpft und die Diskussionen in den Feldmár Instituten Budapest und Stuttgart bereichert.

Tickets kosten 8,15 € und können über das Ticketportal gekauft werden. Das Gespräch kann auch nach der online-Veranstaltung noch drei Tage angesehen werden.